Jusos Bochum

Solidarität ist Zukunft! – Tag der Arbeit 2021

von Patrick Rauch

Die Corona Pandemie ist, ohne Zweifel das einflussreichste Ereignis der letzten 10 Jahre. Die negativen Folgen für Arbeiter*innen sind enorm. Allein im März und April 2020 mussten 10.66 Millionen Menschen in Kurzarbeit (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2020). Um der Pandemie entgegenzuwirken wurden Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen beschlossen, die besonders im privaten Bereich greifen. Nach wie vor kommen jedoch Menschen während der Arbeit zusammen. Viele Arbeitnehmer*innen erlebten, zwecks Kontaktbeschränkung, die Renaissance der Teleheimarbeit, oder wie wir heute umgangssprachlich sagen: Homeoffice. Aber nicht jede*r hat alles was man braucht, um von zu Hause Homeoffice betreiben zu können: einen Computer, einen Bürostuhl und Tisch in einem ruhigen Zimmer. Die Realität sieht häufig so aus: Es ist nur ein Computer im Haushalt vorhanden, der sich in der Familie oder mit dem*der Partner*in geteilt wird. Ebenso verhält es sich mit Arbeitszimmern, die als Heimbüro genutzt werden können. In vielen Haushalten muss die Arbeit am Küchentisch oder auf dem Sofa verrichtet werden, während sich alle Haushaltsmitglieder gegenseitig stören.

In einer Expertenbefragung kamen 92% der Befragten zu dem Schluss, dass die Corona-Krise die digitale Transformation in Unternehmen beschleunigen wird. Es wird erwartet, dass digitale Dienstleistungen auch nach der Krise weiterhin verstärkt zum Einsatz kommen werden (vgl. Hoffmann, Wintermann 2020). Nach Beginn der Pandemie gab es einen Anstieg in der Nutzung von Homeoffice. Eine Befragung des bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) ergab, dass vor der Pandemie 35% der Befragten das Homeoffice mindestens ab und zu nutzten. 43% der Befragten gaben an während der Pandemie mindestens ab und zu das Homeoffice zu benutzen. Dabei hat auch die Intensität der Nutzung von Homeoffice zugenommen. 23% der Befragten gaben an mehrmals in einer Woche das Homeoffice zu nutzen. 39% der Befragten gaben an während der Pandemie das Homeoffice mehrmals in einer Woche zu nutzen. Für viele Arbeitnehmer*innen hat die Pandemie die Nutzung des Homeoffice erst möglich gemacht, da es ihnen vorher vom Arbeitgebenden verwehrt wurde. 39% der befragten Homeoffice Erstnutzer*innen gaben an, der Grund dafür, dass sie kein Homeoffice nutzten war, dass ihr Arbeitgebende dies nicht erlaubte (vgl. Stürz et al. 2020).  Es wird davon ausgegangen, dass es nach der Pandemie in den meisten Verwaltungen und Büros zu einem hybriden Modell aus Anwesenheits- und Homeoffice-Arbeit übergegangen wird. Zudem wird von 44% der Expert*innen angenommen, dass es einen Wechsel in der Unternehmensführung geben wird. Von einer Kultur der Kontrolle hin zu einer Kultur des Vertrauens (vgl. Hoffmann, Wintermann 2020).

Die Pandemie ist nicht nur ein Beschleuniger der Digitalisierung von Arbeit. Sie ist eine Zerreisprobe der Gesellschaft. Für die Jusos ist klar, dass eine solche Krise solidarisch überwunden werden muss. Um gute Arbeitsbedingungen auch im Homeoffice zu schaffen, fordern wir ein Recht auf (gut ausgestattetes) Homeoffice, wie es auch Hubertus Heil vorschlägt (SPD). Außerdem zeigt die Pandemie, dass die klassischen Pflichten und Privilegien der Arbeitgeber*innen nicht mehr vollumfänglich ausgeübt werden: das Stellen von Arbeitsmaterial, Werkzeugen und Räumlichkeiten, die Vorgabe der Arbeitsbedingungen und die Kontrolle der Arbeitenden. Wenn Arbeitnehmer*innen sich selber ihr Arbeitsmaterial, Werkzeug und ihren Arbeitsplatz zur Verfügung stellen müssen, selber entscheiden wann sie wie arbeiten und ihre eigene Arbeit kontrollieren, dann wird sich die eine oder der andere Arbeitnehmer*in fragen: „Wofür brauchen wir einen Arbeitgeber noch?“ Daher ist für uns klar: Betriebe demokratisieren und genossenschaftlich organisiert in die Hände der Arbeitnehmenden legen!

 

Quellen:

Bundesagentur für Arbeit (2020) Arbeitslosenquote & Arbeitslosenzahlen 2020. unter: https://www.arbeitsagentur.de/news/arbeitsmarkt-2020 (abgerufen am 02.01.2021)

Hoffmann / Wintermann (2020) Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeitswelt: Was bleibt und was nicht? unter: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/betriebliche-arbeitswelt-digitalisierung/projektnachrichten/die-auswirkungen-der-corona-krise-auf-die-arbeitswelt (abgerufen am 02.01.2021)

Stürz / Stumpf / Mendel / Harhoff (2020) Digitalisierung durch Corona? Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice in Deutschland. unter: https://www.bidt.digital/studie-homeoffice/#intensiver (abgerufen am 02.01.2021)

 

Junge Sozialisten in der SPD