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Who cares? – Wie der Gender Care Gap Frauen* belastet

von Lara Werdehausen

Was ist der Gender Care Gap?

Der Gender Care Gap ist ein Indikator zur Messung der Gleichberechtigung zwischen Frauen* und Männern*. Der Gap gibt den Unterschied der Verteilung von unbezahlter Care Arbeit zwischen Männern* und Frauen* an. Zu unbezahlter Care Arbeit (Sorgearbeit) gehört zum Beispiel die Kinderbetreuung, der Haushalt oder die unbezahlte Pflege von Angehörigen.

Wie hoch ist der Gender Care Gap?

Der Gender Care Gap beträgt 52,4 Prozent. Das bedeutet, Frauen* verwenden durchschnittlich täglich 52,4 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit als Männer*. Umgerechnet sind das 87 Minuten Unterschied. So leisten Männer* pro Tag im Schnitt zwei Stunden und 46 Minuten unbezahlte Sorgearbeit, bei Frauen* sind es vier Stunden und 13 Minuten. Das wirkt sich auch auf die Berufstätigkeit von Männern* und Frauen* aus. So arbeiten mehr Frauen in Teilzeitbeschäftigung, während Männer* häufiger vollzeitbeschäftigt sind. Covid-19 verschärft das Problem durch den Lockdown oftmals, der die Schließung von Betreuungseinrichtungen wie Kitas und Schulen zur Folge hat. Die fehlende Betreuung muss von Eltern übernommen werden. Neben der eigenen Berufstätigkeit müssen Eltern Homeschooling oder Kleinkindbetreuung organisieren. Studien über den Einfluss von Covid-19 auf die Aufteilung der Sorgearbeit zeigen zum Beispiel, dass mehr Frauen* als Männer* Möglichkeiten zur Flexibilisierung ihrer Arbeitszeiten nutzen. Zudem können Mütter* im Homeoffice kaum ohne Unterbrechung durch Kinder arbeiten, während Väter* weniger oft gestört werden.

Warum gibt es den Gender Care Gap?

Grundsätzlich gibt es vier Gründe für den Gender Care Gap:

1.     Soziale Normen

2.     Geschlechterstereotypen und Geschlechterrollenzuschreibungen

3.     Infrastruktur (z.B: Kinderbetreuung; haushaltsnahe Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten)

4.     Erwerbsarbeit (z.B: Gender Pay Gap; unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse, s. Voll- und Teilzeitbeschäftigung), staatliche Leistungen, Sozialversicherungssystem und Einkommenssteuersystem

Welche Folgen hat der Gender Care Gap?

Der Gender Care Gap ist eine Ursache für die systematische finanzielle Schlechterstellung von Frauen* im Vergleich zu Männern* in Deutschland und durch die Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit auch ein Grund für das höhere Armutsrisiko von Frauen*.

Wie kann man den Gender Care Gap beseitigen? (exemplarische Forderungen)

Soziale Normen und Rollenbilder:

Wir müssen Ungleichverteilung thematisieren und das Ziel der Gleichverteilung in politischen Maßnahmen explizit benennen und ständig mitdenken. Frauen* müssen in wirtschaftliche und politische Machtpositionen kommen, um Geschlechterrollenzuschreibungen aufzubrechen. Deswegen setzten wir uns konsequent für das Empowerment von Frauen* ein und fordern Parität.

Infrastruktur:

Um den Zeitaufwand der Sorgearbeiten zu reduzieren brauchen wir flächendeckende und flexible Kinderbetreuungsangebote. Dazu gehört auch der Ausbau der Ganztagsbetreuung in den Schulen. Pflegende Angehörige müssen durch bezahlbare Pflegeangebote bestehend aus stationären, teilstationären und ambulanten Pflegemöglichkeiten entlastet werden.

Erwerbsarbeit:

Wir fordern auch die Reduzierung der Vollzeitstunden auf maximal 35 Wochenarbeitsstunden, die Aufwertung der sozialen, hauswirtschaftlichen und gesundheitlichen/erzieherischen Berufe durch mehr Anerkennung, verbesserte Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung.

 

Leseempfehlungen:

https://www.iss-ffm.de/fileadmin/assets/themenbereiche/downloads/Fraunhofer-GenderCareGap.pdf

Quellen:

Frauenhofer Institut:

https://www.iss-ffm.de/fileadmin/assets/themenbereiche/downloads/201009_GAP_FIN.pdf

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gender-care-gap/indikator-fuer-die-gleichstellung/gender-care-gap-ein-indikator-fuer-die-gleichstellung-137294

DIW Berlin:

https://www.diw.de/de/diw_01.c.615859.de/gender_care_gap.html

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