Kategorie-Archiv: Demokratie & Bildung

Vortrag: Antisemitismus in Deutschland. Gestern. Heute. Morgen?

Am kommenden Mittwoch, 24. Juni 2015, laden die Jusos Bochum in Zusammenarbeit mit  der DGB-Jugend Region Ruhr-Mark und dem VfL Bochum 1848 zu einem Vortrag zum Thema Antisemitismus in das Medienzentrum im VfL-Stadioncenter ein. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Das Wort Antisemitismus ist auch 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus und der Shoah durch antisemitische Schmierereien, Pöbeleien und Übergriffe, Schändungen jüdischer Friedhöfe und Angriffe auf Synagogen in Deutschland präsent. Auch wenn der Antisemitismus sich heute eher selten offen äußert und meist codiert auftritt, belegen Studien eine tiefe Verankerung antisemitischer Ressentiments in der Mitte der deutschen Bevölkerung. Insbesondere im Kontext des Gaza-Krieges im Sommer 2014 zeigte sich, dass Antisemitismus in Deutschland nicht notwendig von „rechts“ kommen muss. Auch auf „linken“ Demonstrationen gegen die Politik Israels wurden offen antisemitische Parolen gerufen.

Der Referent Gabriel Goldberg wird in seinem Vortrag die Ursprünge und die Geschichte des Antisemitismus beleuchten und der Frage nachgehen: Wie konnte der Antisemitismus in der Zeit nach dem Nationalsozialismus wieder in Deutschland Fuß fassen? Oder musste er das gar nicht, war er immer schon da? Wie drückt sich Antisemitismus heute aus? Und welche Rolle spielt er im Fußball und den verschiedenen Fankulturen?

Infos zum Referenten Gabriel Goldberg

Gabriel Goldberg, Jahrgang 1978, Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, geboren in Wuppertal, studierte Soziologie, politische Wissenschaft und Biologie in Aachen. Nach fünfeinhalb Jahren Tätigkeit als Jugendreferent des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein, arbeitet er nun als freier Journalist und Dozent für politische Bildung.Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden Vortragstätigkeiten zu den Themen Nahost-Konflikt und Antisemitismus. Der Alumni des „Diplomatic Seminar for Young Jewish Leaders“ des Außenministeriums des Staates Israel, organisierte die Solidaritäts-Demonstrationen für Israel während des Sommers 2014. Gabriel Goldberg ist Vizepräsident der Zionistischen Organisation Deutschland (ZOD), Bundesvorstandsmitglied bei den „Scholars for Peace in the Middle-East“ (SPME) und Mitglied des JDCorps des World Jewish Congess (WJC).

Veranstaltungsort & Anreise

Veranstaltungsort: Medienzentrum im VfL Bochum 1848 – Stadioncenter, Castroper Str. 145, 44791 Bochum.
Mit der Straßenbahn 308/318 fahrt ihr bis zur Haltestelle rewirpowerSTADION. Von dort aus geht es zur Fuß hinter der Osttribüne in Richtung Stadioncenter – das große blaue Gebäude hinter der Nordtribüne. Das Medienzentrum befindet sich im Erdgeschoss neben der Fangastronomie 8zehn48.

Solidarität mit der Grünen Jugend

Bochum ist eine weltoffene Stadt, in der für Nazis kein Platz ist: Das dachte sich wohl auch die Grüne Jugend Bochum, als sie am Vorabend des 30. April 2015 den Husemannplatz inmitten des Zentrums unserer Stadt mithilfe von Straßenmalkreide durch ebensolche Botschaften verschönerte. Genau hier nämlich, hatte die NPD für den darauffolgenden Tag eine Kundgebung angemeldet.
So weit, so friedlich und kreativ könnte Mensch meinen. Nicht so die Polizei Bochum, die die Aktion nach kurzer Zeit beendete und den USB rief um den Platz reinigen zu lassen. Hierfür nun, hat die Grüne Jugend unlängst eine Rechnung in Höhe von 267 Euro erhalten. Und zwar ausgerechnet nachdem CDU-Ratsmitglied Dirk Schmidt eine Anfrage an die Verwaltung stellte, wer für die USB-Reinigung aufkommen müsse.

Für uns Jusos ist das Verhalten der beteiligen Akteure gegenüber der Grünen Jugend höchst
befremdlich: Zu allererst sollte es möglich sein, friedlich und kreativ ein Zeichen gegen die
menschenverachtende Hetze der NPD zu setzen. Ein sauberes Pflaster über den Protest gegen Rassismus und Diskriminierung zu stellen, mutet hier schon sehr abstrus an. Wenig ruhmreich finden wir in diesem Zusammenhang zusätzlich die Anfrage des CDU-Ratsherrn Dirk Schmidt. Anstatt gemeinsam ein Zeichen gegen die Rassistinnen und Rassisten der NPD zu setzen – oder ein solches zumindest wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen – torpediert Herr Schmidt offenbar lieber das demokratische Engagement einiger junger Erwachsener. Parteipolitische Spitzfindigkeiten und persönliche Animositäten scheinen dabei offenbar wichtiger zu sein, als die Förderung einer aktiven Zivilgesellschaft, die letztlich Basis unsere freiheitlich demokratische Grundordnung ist.

Für uns Jusos Bochum steht fest: Im Kampf gegen Rassismus hat die Grüne Jugend unsere
uneingeschränkte Solidarität. Gerne kommen wir daher dem Aufruf der Grünen nach und beteiligen uns – ganz im Sinne des Grundgesetzes – mit 19,49 Euro an den Kosten, die durch die Entfernung der Straßenmalkreide entstanden sind. Wir hoffen, dass sich weitere demokratische Organisationen unserer Stadt anschließen und die Unterstützungszahlungen den Rechnungsbetrag übersteigen werden. So könnten mit dem Geld nicht nur die unnötigen Reinigungskosten beglichen werden, sondern auch eine sinnvolle Spende an Institutionen geleistet werden, die sich dem Kampf gegen die rechte Szene verschrieben haben. Damit würde dieses absurde Theater zumindest einen halbwegs versöhnlichen Abschluss finden.

Unterbezirksparteitag der SPD Bochum: Nein zur VDS!

Im Hinblick auf den am kommenden Montag, 08. Juni 2015 stattfindenden Unterbezirksparteitag der SPD Bochum, möchten wir uns erneut gegen das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung (VDS, auch: Mindestspeicherung) aussprechen.Wir unterstützen daher den Antrag des Ortsvereins Bochum-Ehrenfeld „Keine Vorratsdatenspeicherung in Deutschland und Europa“ und fordern die nordrhein-westfälischen Mitglieder der SPD Bundestagsfraktion auf, dem Beschluss des Kölner Landesparteitags vom 27. September 2014 zu folgen und dafür Sorge zu tragen, dass es nicht zur Umsetzung der geplanten anlasslosen und flächendeckenden Speicherung von Telekommunikations- und Verbindungsdaten kommt.

Die reflexartige Forderung des konservativen Lagers nach der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, sobald sich hierzu der geringste Anlass bietet, steht dem sozialdemokratischen Verständnis eines offenen, demokratischen Staates, in dem Freiheit und Privatsphäre jedes Einzelnen angemessen gewahrt werden diametral gegenüber.

Wir Jungsozialistinnen und Jungsozialisten im Unterbezirk Bochum halten die anlasslose und flächendeckende Vorratsdatenspeicherung zudem für ein undifferenziertes und rechtlich unverhältnismäßiges Überwachungsinstrument, das die Grundrechte in unzumutbarer Art einschränkt und alle Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht stellt. Die Risiken, die durch die massenhafte Speicherung der Daten entstehen, stehen in keinem Verhältnis zu vermeintlichen, aber objektiv nicht zu belegenden Vorteilen bei der Strafverfolgung.

Zur Aufklärung von Straftaten müssen alle vorhandenen rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden und Ermittlungsbehörden ausreichend personell und technisch ausgestattet sein. Der Versuch Mängel in diesen Bereichen durch die Vorratsdatenspeicherung zu vertuschen oder gar auszugleichen, führt deutlich am Ziel vorbei.