Vorwärts? Kannste vergessen!

Totgesagte leben länger – das ist eine der Binsenweisheiten, die einem so begegnen. Nun, nicht jeder, dessen Abgesang längst verhallt ist, wird uns durch sein plötzliches Wiederauftauchen überraschen. Diverse Gruppierungen, die von sich behaupten eine „Regierung des Deutschen Reiches“ zu sein, zeugen von dieser Erkenntnis – Binsenweisheit.

Vor 25 Jahren endete die DDR. Inzwischen ist eine ganze Generation aufgewachsen, die den Ost-West-Konflikt und damit eine Welt mit zwei deutschen Staaten nie bewusst erlebt hat. Die Welt hat neue Probleme, für die neue Lösungen gefunden werden müssen. Keine Zeit für Einheitsjubel. Viel wurde geschrieben über die jüngeren BewohnerInnen der Bundesrepublik, wir sind gestresst, gehetzt, politikverdrossen und politisch hoch interessiert. Wenn man sich herausnehmen wollte, für diese Generation zu sprechen, dann könnte man zumindest eins sagen: Die Wenigsten sehnen sich nach einem Staatsmodell à la DDR. Tragisch-komisch wirken die Aufnahmen aus diesem untergegangenen Land. Tragisch-komisch wird auch die Party sein, die diesen Samstag in Bochum steigen wird. Weil kein Gedankengebäude zu skurril und beschränkt ist, als dass es keine AnhängerInnen finden könnte, kramen die letzten Reste einer kaputten Bewegung ihren letzten Rest Verstand zusammen um den Weg zum Stelldichein im DDR-Kabinett zu finden. Politische Schwergewichte wie die DKP, die FDJ (gibt’s wirklich noch!) und vereinzelte Irre treffen sich, um sich gegenseitig zu erzählen, wie schön es doch war und wie fies man sich behandelt hat. Das Essen wird wahrscheinlich noch das Beste an diesem Tag sein: lecker Soljanka, Pelmenis (keine Ahnung, aber immer offen für Neues) dazu Waffeln (gähn) und Kuchen (wie bürgerlich).

Der ernste Kern der ganzen Sache ist natürlich, dass hier eine Diktatur verherrlicht wird. Schwer zu ertragen für ihre Opfer: die Angehörigen der Toten, die zerstörten Leben und das Leid in Stasi-Gefängnissen und Jugendwerkhöfen. Es kann für einen denkenden Menschen nur eine Selbstverständlichkeit sein, diese Verbrechen zu verurteilen. Kein Hinweis auf Ungerechtigkeiten in der Bunderepublik oder sonst wo relativiert das Leid der Opfer.

Als Linke und demokratische SozialistInnen ist für uns Jusos dieses Nostalgietreffen beschämend, peinlich und skurril. Wer links ist, hat keine Sympathien für autoritäre Gesellschaftsmodelle. Die Gesellschaft der Freien und Gleichen braucht keine Stasi und keine Mauer. Also bleibt nur der Trost, dass dieses Event eben charakteristisch ist für den gesamten Fanclub der DDR: Eine kleine, unbedeutende Gruppe merkbefreiter Spinner bespaßt sich gegenseitig.

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